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Über das Denken
 

Für Friedrich Nietzsche (1844 - 1900) existiert das reine Denken nicht. In diesem Sinne ist der Anspruch sehr vieler Menschen eine reine Wahrheit im metaphysischen Himmel auszusprechen, eine Mystifikation und nichts anderes. Für Nietzsche ist der Metaphysiker derjenige, der den Tod gewählt hat. Wer Metaphysik betreiben will, der liebt Gott, aber er will nicht leben! Er kann das Leben nicht ertragen. Und er macht sich mit großer philosophischer Eleganz davon frei, etwas a n d e r e s zu finden, was sich nennt „eine andere Welt“ oder „das höhere Leben“ oder „andere Dimensionen“ oder „Gott“... und aus all dem die Moral. Jede Art solcher Metaphysik* ist dazu bestimmt, dem Leben im Hier und Jetzt den Schwerpunkt zu nehmen.

Täuschen wir uns nicht: diese ganze philosophische Konstruktion dient nur dazu, die unbewußte Tatsache zu verbergen, „ich kann das Leben nicht ertragen“. Also dann erfinde ich ein „anderes“ Leben und all dies aus greifbaren Gründen: diese philosophische Konstruktion soll eine armselige, verbrauchte Existenz verbergen, nämlich die des „Philosophen“, der sein eigenes Leben verneint.

*) Dazu gehören die heute üblichen Weltanschauungen aus der Wissenschaft wie zum Beispiel die Urknall- Theorie („andere Universen“), die Raum-Zeit-Dilatation („andere Dimensionen“), dazu gehören die diversen Jenseitsausrichtungen der Glaubensgemeinschaften und die in der Esoterik modern gewordene, aus Asien und Amerika importierte „Reinkarnationstheorie“. Alle diese Konstruktionen sind geeignet, die Menschen von ihren eigentlichen Aufgaben abzulenken.

Literatur: Karlheinz Baumgartl „Der Teil des Ganzen“, Kosmologie, Philosophie (1980), Eigenverlag

 
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