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21 Zinslose Geldwirtschaft ?? Gedanken über das Schuldenmachen |
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Früher war es eine Schande, wenn man Schulden hatte. Ich meine schon sprachinhaltlich die Einstellung der früheren Menschen zum Schuldenmachen herauslesen zu können: ich mache Schuld, weil ich etwas nutze, was ich noch nicht erarbeitet habe. Heute sind Geldwirtschaft und Konsumgewohnheiten soweit entwickelt, daß das genaue Gegenteil empfunden wird: wenn jemand mit Schulden umzugehen weiß, dann gilt er als „genial“, ungeachtet der Folgen, die er hinterläßt. Daß heute alle Staaten hoffnungslos verschuldet sind, nimmt man entweder nicht wahr oder als unabänderliches Schicksal hin. Hauptsache ist, w i r werden damit nicht zur Kasse gebeten. Wer aber muß dann die Zeche bezahlen ? In manchen Fällen ist die Finanzierung eines guten, zukunftsträchtigen Projektes durch Kredite vertretbar, wenn auch die Rückzahlung der Kredite gewährleistet ist. Aber genau das ist ja bei den Staatsschulden nicht der Fall. Und von Jahr zu Jahr steigen die Schulden. Demgegenüber steht ein „Bruttosozialprodukt“ aus Plastik, Beton und Stahl, kurzlebige Produkte, die von den Schulden überdauert werden. Solche Verschuldungen weisen auf einen politischen und moralischen Defekt hin: über die Geldleihe nimmt der Geldgeber Einfluß auf die Politik. Von der Öffentlichkeit unbemerkt, weil von den Medien verschwiegen, ganz aus dem Hintergrund, gewinnen reiche Minderheiten gesetzwidrigen Einfluß und bestehlen dadurch die große Mehrheit der Völker. Die „Dritte Welt“ ist das treffende Beispiel der Ausbeutung von Ländern und Völkern. Die Politik dort ist die Politik der Chase Manhattan Bank, Rockefellers Imperium und anderen Gesinnungsgenossen. Die moralische Fragwürdigkeit ergeht aus der Tatsache, daß mit den Schulden ein Geld in Umlauf kommt, das noch nicht erarbeitet (verdient) ist. Damit wird die Geldmenge vermehrt und die Inflation bedingt. Zum andern werden spätere Generationen verpflichtet mit der Tilgung der Schulden bzw. mit der Abhängigkeit. Unsere Nachkommen werden nicht gefragt. Eine Legitimation für diese Verhaltensweise gibt es also nicht. Man nimmt, was zu nehmen ist. Neuzeitliches Raubrittertum. Oder: die allgemeine Verschuldung bedeutet auch neuzeitliches Sklaventum. So wie früher die Sklaven ihr Schicksal als schicksalsgegeben hingenommen haben, so nehmen es heute die Menschen als unabänderliche Lebensumstände hin und beglücken sich mit verschiedenen Rauschgiften. Mit Sylvio Gesell („Natürliche Wirtschaftsordnung“) und vielen Zeitgenossen wird gegen die Zinslast der Kredite argumentiert. Man fordert eine zinslose Geldwirtschaft und begründet diese Forderung an sich sehr einleuchtend . . . bis auf den Punkt, auf den es ankommt: auf die Verwirklichung. Die Forderung einer zinslosen Geldwirtschaft ist aber als völlig unrealistisch zu verwerfen, denn die privilegierten, reichen Minderheiten haben die Macht und die Mittel, ihre „Rechte“ zu verteidigen, notfalls durch Waffengewalt, notfalls durch einen Krieg. Niemals würden sie sich diese Vorrechte nehmen lassen. Das bedenken diese Reformer nicht. Und sie fordern eigentlich nur einen Edelkapitalismus. Man will nichterarbeitetes Geld ausgeben, man will halt ganz einfach konsumieren. Vernünftig aber wäre die Forderung nach dem Gegenteil: nach Konsumverzicht, weil man damit den Kapitalismus am Nerv treffen würde. Das ist die Forderung unserer Zeit. Durch eine merkliche Konsumeinschränkung sind die Verhältnisse allgemein zu bessern. Literatur: Karlheinz Baumgartl „Der erste Schritt aus dem Teufelskreis“ (1978), 42 Seiten, im Eigenverlag ferner Infos 16, 23 |
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