Walter Sommer
MONATSHEFTE für natürliche Ernährung und Lebensordnung

16. Jahrgang - Heft 1 - Januar 1950
Zum Geleit - Die Natürliche Ernährung
Das Entwicklungsgesetz der Kulturvölker:
1. Der Feuerzauber (Die Nutzbarmachung des Feuers und die Folgen)

Zum Geleit
Die natürliche Ernährung
Leseprobe "Die natürliche Ernährung"
Das Lebenswunder im Pflanzenwuchs
Die Pflanze als Vorbedingung zur Ernährung für Mensch und Tier
Das Entwicklungsgesetz der Kulturvölker
1. Der Feuerzauber

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Zum Geleit

Im Februar 1940 mußte auf Veranlassung des damaligen Ministeriums für Propaganda usw. die Herausgabe der "Lichtheilgrüße" eingestellt werden. Seit der Zeit sind fast 10 Jahre ins Land gegangen, die wir alle wohl in unserem Leben nicht vergessen werden und alle kommenden Geschlechter werden sich nur mit Grausen dieser Zeiten erinnern können, trotzdem die Zeit so vieles verwischen und in einem milderen Licht erscheinen lassen wird. Ich hatte während dieser Jahre kaum die Möglichkeit mich den Freunden mitteilen zu können, wie ich im Rundschreiben im Juli bereits erklärte. Die vielen daraufhin einlaufenden Antworten und Stimmungsbilder aus dem Kreise der Freunde und früheren Leser hätten mich anregen sollen, mich sofort auf den Hosenboden zu setzen, um schnellstens die Herausgabe der Druckschriften ins Werk zu setzen. Aber es ließ sich nicht alles so an, wie es gedacht war. Die im Februar bereits beantragte Lizenz für die Verlagseröffnung kam erst spät im September herein und kostete zu meinem Schrecken einige hundert gute DM, die an die Regierungskasse ausgezahlt werden mußten. Hätte ich ohne Antrag auf die Lizenzerteilung bis zum Herbst gewartet, dann wäre die Herausgabe der Druckschriften ohne besondere Lizenz möglich gewesen durch die inzwischen vollzogene Pressefreiheit. Jetzt ist es soweit. Die erste Nummer der neuen Zeitschrift geht als 1. Heft des 16. Jahrganges in die Hände der Leser.

Der Aufgabenkreis, den ich mir in diesen Heften und den darin ausgearbeiteten weiteren Schriftenreihen gestellt habe, besteht nicht nur darin, wie bisher die Lebensgesetze in Bezug auf die Ernährungsgewohnheiten der Menschen, sondern in Erweiterung der Einsichten auch die Gesetze der Lebensordnung der Menschen zu ergründen. Im Zusammenhang mit der landesüblichen Ernährung sollen die Ursachen der Verelendung großer Volksgruppen in allen Ländern und Erdteilen im Gegensatz zu den wenigen Begüterten aufgedeckt werden, denen es anscheinend noch gut geht und die doch gar zu oft nicht wissen, was eigentlich mit ihnen los ist, besonders, wenn es sich um ihre Gesundheit und ihr Familienleben handelt. Diesem Zweck dient die Aufsatzreihe "Das Entwicklungsgesetz der Kulturvölker".

Die Aufsatzreihe wird aus den allerersten Folgewirkungen der unrichtigen Ernährungsgrundlagen der Menschen, die versuchten, ihre Nahrung mit Hilfe von Ackerbau und Viehzucht zu erzeugen, die Ursache für die Entwicklung der entsetzlichen, auf dem ganzen Erdenrund über die Menschheit hereingebrochenen politischen Katastrophen aufzeigen. Ackerbau und Viehzucht als Ernährungsgrundlage der Menschen endet immer wieder in Kriegen und Zerstörungen unter den Menschen mit dem Erfolg, daß sie sich in unvorstellbar grausigen Unmenschlichkeit gegenseitig zerfleischen und vernichten. Den Beweis für diese Behauptung werde ich in der Aufsatzreihe so folgerichtig und konsequent herauszuarbeiten suchen; daß eine Gegnerschaft kaum möglich sein wird.

So übergebe ich denn mit dem Neuen Jahre 1950 nach fast 10jähriger Unterbrechung das erste Heft wieder der Leserschaft zur Stellungnahme und Überprüfung der darin entwickelten Gedanken. Möge das aufsteigende Licht des Neuen Jahres nicht nur das Auge erfreuen, sondern ein Strahl der Freude und Erkenntnis möge eindringen in die Herzen der Leser, ihre Seelenkraft zu wecken und ihrer Gedankenkraft die Möglichkeit zu geben, die unabänderlichen Gesetzmäßigkeiten in der Auswirkung der Schöpferkraft der Weltenseele im Menschenleben und der Gestaltung seiner Geschichte zu verstehen.

Die natürliche Ernährung

Das Werk "Die natürliche Ernährung" feierte im Dezembermonat des Jahres 1949 "das 25jährige Jubiläum" des ersten Erscheinens in der Öffentlichkeit. Anfang Dezember 1924 kam die erste Auflage des Buches aus der Druckerei und wurde damals sofort an die vorhandenen Besteller ausgeliefert. Ich bin überzeugt, mancher Empfänger dieses Buches wird sich eifrig über den Inhalt hergemacht haben, um es nicht wieder aus dem Schatz seines geistigen Rüstzeuges im Kampf um seine Gesundheit herzugeben. Die erste Auflage lehnte sich seinerzeit an die Veröffentlichungen des Herrn Dr. Drews an und stützte sich vor allem auf die umfangreichen Ausführungen des Amerikaners in Bezug auf die natürliche und richtige Zubereitung und Zusammenstellung der pflanzlichen Nahrungsmittel zu schmackhaften Gerichten.
Ich selbst war zwar schon lange Jahre vorher überzeugter Rohköstler gewesen auf Grund der Lehren von den deutschen Vorkämpfern für Naturheilkunde wie Louis Kuhne, Arnold Ehret und Adolf Just. Aber eine wirklich schmackhafte und sättigende Zusammenstellung und Zubereitung der uns von der Natur gegebenen Nahrungsmittel fand ich erst bei dem Deutschamerikaner Dr. Drews.

Die zweite Auflage wurde dann im Jahre 1925/26 notwendig und vorbereitet. Sie wich schon in sehr weitem Umfange von den Veröffentlichungen des Herrn Dr. Drews ab. Sie gründete sich vielmehr im theoretischen Aufbau auf die inzwischen immer weiter fortschreitende Entwicklung und Vertiefung der Erkenntnisse über die Zusammenhänge der Ernährung mit unserer Gesundheit.
In dem jetzt in Vorbereitung befindlichen Werk werden all die vielen Erkenntnisse und Forschungsergebnisse zu einem geschlossenen Ganzen zusammengefaßt, die im Lauf der Jahre in der "Zeitschrift für natürliche Ernährung" in Einzelaufsätzen und ganzen Aufsatzreihen der Öffentlichkeit vorgetragen worden sind. Diese Ausarbeitungen wurden seinerzeit von der damals herrschenden Geistesverfassung abgelehnt und verfolgt, so daß die letzten Jahrgänge vor dem Kriege nicht mehr das bringen konnten, was eigentlich den Lesern zugedacht war. In der jetzt in Vorbereitung befindlichen Ausgabe des Werkes ist alles das und noch vieles mehr hineingearbeitet, um dem Leser ein ganz neues Buch darzubieten. Ich bin überzeugt, daß jeder, der es in die Hand nimmt, es nicht ohne großen Gewinn für sich und seine Gesundheit aus der Hand legen wird.
Um nun dem Leser eine Vorstellung zu geben von dem, was er von dem Buche zu erwarten hat, bitte ich von der folgenden Leseprobe freundlichst Kenntnis nehmen zu wollen.

Leseprobe aus "Die natürliche Ernährung"

Lebensfrische, natürlich gewachsene Nahrung, frisches Wasser, frische Luft und Sonnenlicht, körperliche Betätigung und ruhiger Schlaf nach Eintritt der Dunkelheit sind die einzig zulässigen Heilmittel. Die natürliche Art der Ernährung wird dem Menschen gleichzeitig den mächtigsten Ansporn zu seiner weiteren Entwicklung geben und die Gesetze der Lebenserhaltung in der Natur erst voll zur Auswirkung bringen. Da nun am Wasser, an der Luft, am Sonnenlicht nicht viel zu ändern ist und körperliche Betätigung und ruhiger Schlaf selbstverständliche Voraussetzung zur Gesundheit sind, so ergibt sich aus diesen Zusammenhängen, daß die natürliche, lebensfrisch gewonnene und verzehrte Nahrung das Wichtigste ist, was zur Genesung der Menschen erforderlich ist. Damit aber drängt sich uns die Frage auf: Was ist für den Menschen seine natürliche Ernährung? Um die Antwort auf diese Frage folgerichtig entwickeln zu können, müssen wir uns erst klar werden, was die Nahrung für das Lebewesen bedeutet. Dabei spielt es keine Rolle, ob dieses lebendige Wesen eine Pflanze, ein Tier oder ein Mensch ist. Wir müssen uns deshalb zuerst die Frage vorlegen: Was ist Nahrung?

Frisches Wasser, frische Luft, Sonnenlicht, Körperübung, Wechsel zwischen Wachen, Arbeiten und Schlafen sind bekannte Lebensbedürfnisse und Lebensäußerungen der Menschen und der Tierwelt, die praktisch nicht verändert werden können und daher keiner weiteren Erläuterung bedürfen. Über die Nahrung aber ist in den letzten Jahren für unsere Gesundheit eine günstige Wandlung der Ansichten in der Vorstellungswelt der Menschen eingetreten. Es ist deshalb wohl wichtig, diese Frage aufzuwerfen und aus unseren bisherigen Erkenntnissen das für den Menschen Notwendige und Natürliche herauszuschälen.

Was ist Nahrung? Die einfachste Antwort auf diese Frage wäre wohl: das, was wir essen, ist unsere Nahrung. Aber der einfache Augenschein lehrt uns, daß das nicht stimmt. Wir wissen z. B., daß ein Stück Vieh, richtig und gesund ernährt, sich prächtig entwickelt, ein glattes, glänzendes Fell zeigt und gesunde, kräftige Nachkommen erzeugen kann. Wir können demselben Tiere etwas als Nahrung verabreichen, durch das es wohl dick und fett wird, bei der sich aber gleichzeitig ein krankhaft entwickeltes Fell zeigt, die Blutgefäße und vor allem die Knochen eine unnormale, krankhafte Entwicklung aufweisen, ja, vielleicht nicht mehr imstande sind, das Tier zu tragen, sondern sich einfach verbiegen. In dem einen Falle sehen wir, daß das, was wir dem Tier zu essen gaben, seinem Körper, seinen Organen, seinem Fleisch, seinen Knochen und seinen Blutgefäßen usw. zur richtigen, gesunden Entwicklung verhalf. Im zweiten Beispiel wurde das Tier durch das, was ihm gereicht wurde, krank. Wirkliche gesunde Nahrung für das Tier ist daher nur immer das, was den inneren Aufbau der Organe, der Haut, der Knochen, der Muskeln und der Gewebe richtig weiterentwickelt, kräftigt und in bester Gesundheit erhält. Für den Menschen die Frage "Was ist Nahrung" zu beantworten und die Grundgesetze aufzustellen über das, was für ihn die richtigen und natürlichen Nahrungsmittel sind, das ist die Aufgabe dieses Buches.

Die Beantwortung ist keineswegs so einfach, wie es im ersten Augenblick aussieht; denn wenn das, was die Menschen heute essen, für ihre Organe, ihr Blut und ihre Knochen, für die Entwicklung ihrer inneren Säfte usw. das Richtige wäre, dann müßten sich alle Menschen in prächtiger Gesundheit entwickeln, sie müßten alle ohne Ausnahme ein hohes und zufriedenes Alter erreichen und bis ins hohe Alter hinein schaffensfreudig, kräftig und leistungsfähig sein. Sie würden dann nicht, wie es heute an der gewohnten Tagesordnung ist, vorzeitig sterben, sondern an einem normalen, zufriedenen Alterstod, nicht aber an einem inneren Versagen der Organe, vorzugsweise des Herzens, oder an Krankheiten der verschiedensten Art leiden, durch die sie massenweise in Krankenhäuser, Irrenanstalten und Gefängnisse gebracht werden.

Was ist denn nun die natürliche Nahrung des Menschen? Ehe wir diese Frage beantworten können, müssen wir uns ein wenig in der Natur umsehen, um zu erfassen, aus was eigentlich das Leben entsteht, das wir durch unsere Nahrung aufrecht erhalten wollen.

Das Lebenswunder im Pflanzenwuchs

Wir sehen in der Natur, wie sich die Fläche der Erde in jedem Frühjahr neu mit einem grünen Rasen überzieht, wie die Bäume, Sträucher und Kräuter immer wieder neue Blätter, Blüten und Früchte entwickeln, die lieblich anzusehen und gut zur Speise sind. Alle diese Lebenserscheinungen der Erde wachsen offensichtlich auf dem Boden, wo sie stehen. Sie müssen daher ihre Nahrung dem Boden entnehmen. Dieser besteht aus zerfallenen und verwitterten Felsen, Erden, Lehmen, Sand und Steinen. Wie ist es möglich, daß der üppige Pflanzenwuchs aus der unberührten Natur sich aus den Bestandteilen dieser obersten Erdschichten entwickeln kann?
Die Pflanzen entwickeln sich ja nicht aus Erde allein, sondern sie leben hauptsächlich durch ihren Blattwuchs, durch das grüne Blatt also aus den Bestandteilen der Luft. Das ist wohl zu beachten. Der Kohlenstoff nämlich, der im Holz und Astwerk offensichtlich zu Tage tritt, wenn wir den Baum oder Strauch verbrennen und den Verbrennungsprozeß nicht restlos durchführen, verwandelt sich dann in Holzkohle. Diesen Kohlenstoff, der ja der Hauptbestandteil der Pflanze ist, kann sie nicht der Erde entnehmen. Im Lehm, im Sand, in den Gesteinen, auf der Erde ist durchweg kein Kohlenstoff enthalten, außer er sei in der oberen Kulturschicht des Bodens in der Humuserde durch abgefallenes Laub, verwesendes Holz und absterbende Pflanzenwurzeln hineingekommen. Die Pflanze bezieht ihren Gehalt an Kohlenstoff, der offensichtlich der wichtigste Bestandteil ihres Daseins ist, aus der Luft. Die Luft ist daher für die Pflanze das wichtigste Nahrungsmittel, das es für sie gibt. Deshalb entwickelt jeder Pflanzenwuchs in jedem Jahr von neuem eine immer mächtiger werdende Krone mit üppig wucherndem Bestand an Blättern und grünen Pflanzenteilen. Die Pflanze gewinnt den Kohlenstoff aus der in verhältnismäßig kleinen Mengen in der Luft vorhandenen Kohlensäure. Die Kohlensäure wird vom grünen Blatt aufgenommen und unter dem Einfluß des Sonnenlichtes in ziemlich genau bekannten Vorgängen gespalten und verwandelt. Es scheidet dabei ein Teil des an die Kohlensäure gebundenen Sauerstoffes, der ja an sich ein Bestandteil der Luft ist, aus und verwandelt die Kohlensäure auf dem Umweg über die Gerbsäure oder der Gerbsäure ähnlichen Pflanzensäuren durch Verbindung des Kohlenstoffes mit Wasserstoff und Sauerstoff in Zucker oder Kohlenhydrate. Die Zuckerstoffe sind das Endprodukt der Lebensäußerungen des grünenden Pflanzenwuchses. Sie bedürfen aber zu ihrer Entwicklung nicht nur der Kohlensäure der Luft unter der Einwirkung des Sonnenlichtes, sondern auch noch einer entsprechenden Menge Wassers. Dieses Wasser muß sich die Pflanze zur Hauptsache durch ihre Wurzeln aus dem Boden holen.

Damit haben wir die drei wichtigsten Bedingungen und Voraussetzungen erfaßt, die zur ordnungsmäßigen Ernährung der Pflanze unumgänglich notwendig sind. Es sind das Sonnenlicht, das Wasser und die Kohlensäure der Luft. Die Kraft- und Lichtwirkung des Sonnenlichtes auf die Pflanzen ist als wesentlicher Bestandteil der Nahrung aufzufassen, da ja ohne diese Lichtwirkung eine Verwandlung der Kohlensäure und des Wassers in Zuckerstoffe nicht möglich ist. Die Ausnutzung der Kräfte im Sonnenlicht bei der Umwandlung der Kohlensäure und des Wassers zu Zuckerstoffen erfolgt durch das Chlorophyll oder die Blattgrünkörperchen, die der Pflanze ihr grünes Farbenkleid geben. Diese Blattgrünkörperchen wirken dabei als intensive Farbfilter; denn die Pflanze benötigt zur Umwandlung der Kohlensäure und Entwicklung der Zuckerstoffe hauptsächlich die Kräfte der roten Strahlen im Lichte der Sonne. Deshalb müssen die blauen und gelben Strahleneinwirkungen mehr oder weniger kräftig ausgeschaltet werden. Diese werden durch den Farbstoff in den Blattgrünkörperchen abgeschirmt und zurückgestrahlt. Sie werden dem Auge sichtbar als die grüne Farbe der Blätter. Alle roten Farbstrahlen im Licht der Sonne aber werden intensiv und vollständig vom Blatt aufgesogen, um bei der Verwandlung der Kohlensäure in Zuckerstoffe Verwendung zu finden. Sie werden so vollkommen ausgewertet, daß sie dem Auge völlig entzogen werden.

Die Blattgrünkörperchen sind nun ganz anders geartete Gebilde als die zuckerhaltigen, wasserführenden Faserstoffe, aus denen sich das Gerippe der Blätter, die Fläche derselben und überhaupt das ganze Gebilde der Pflanze mit seinen Blättern, Stengeln, Blattrippen, Zweigen, Ästen und Stämmen zusammensetzt. Die Blattgrünkörperchen bauen sich wohl zum größten Teil auf aus Zuckerstoffen, aber es ist außer Kohlenstoff, Sauerstoff und Wasser noch der andere Bestandteil der Luft, den wir Stickstoff nennen, darin enthalten. Während nun der Sauerstoff die Lebensäußerungen anregt und fördert, dient der Stickstoff gewissermaßen als Verdünnungsmittel der Luft, um die Wirkung des Sauerstoffs nicht zu arg werden zu lassen. In das Gebilde der Blattgrünkörperchen aber ist dieser Stickstoff mit in die Zuckerstoffe eingebaut und bildet damit ein sogenanntes Protoplasmakörperchen, ein Protein- oder Eiweißkörperchen, dessen Grundbestandteile etwa denen unserer roten Blutkörperchen entsprechen, aus deren Wirksamkeit sich die Muskeln unseres Körpers aufbauen und erneuern.
Das Blattgrünkörperchen enthält außer diesen in der Luft und im Wasser enthaltenen Bestandteilen noch Mineralstoffe, das heißt Stoffe, die dem Boden entnommen sind. Vor allen Dingen Magnesium, dessen innige Verbindung mit dem pflanzlichen Material eben die grüne Farbe des Blattgrünkörperchens erzeugt. Wenn im Blattgrünkörperchen Magnesium enthalten und dieses dem Boden entnommen wurde, so muß der Boden diese Stoffe hergegeben haben. Magnesium oder Bittererde findet sich im Boden gewöhnlich als Magnesium-Silikat. Es ist eine häufige Beimengung zum Kalkgestein und zum Mergel. Da Kalkverbindungen eigentlich ein Bestandteil fast aller Gesteinsarten sind und sich das Magnesium als Beimischung findet, so hat ja die Pflanze durch ihre Wurzeln die Möglichkeit, diese und alle anderen Mineralstoffe aus dem Boden heraus zu holen. Die Frage ist nun: Wie macht sie das?

Alle Mineralstoffe. Silikate, Kalkgesteine, Erden, Aluminiumverbindungen oder Aluminiumsilikate, wie die Löß- und Tonarten oder Lehme alle heißen. mögen, und was es sonst auch immer sei und unter welchem Namen wir die verschiedenen Mineralien und Gesteine oder Erden kennen, sind an sich fast alle wasserunlöslich. (unterstrichen durch Hg). Sie türmen sich unter Umständen zu hohen Felsen auf, die im Sonnenglasfluß während der einstigen Sonnennatur unserer Erde verglasten, d.h. im Glasfluß zerschmolzen und in diesem Zustand erkalteten und kristallisierten. Kristallisiert bilden sie jetzt die Felsen und Gesteine. Glas und Glasflüsse sind gegen Auflösung im Wasser sehr widerstandsfähig. Sie behalten ihren Charakter und werden nur langsam an der Oberfläche durch die Einwirkung von Frost und Hitze, Wasser, Luft und Sonnenschein verwittern, d. h., die festgefügte, felsige Masse wird zerbröckelt und staubfein gelöst. Dieser feine Staub wird dann von den Felsen durch Regen, Schnee und Niederschläge in die Täler herunter gespült werden. Hier bildet er dann die Oberflächenschichten, die als ganz besonders fruchtbar, also das Wachstum der Pflanzen anregend, bekannt sind. Aber auch der durch Verwitterung fein gelöste Staub der Felsen und Gesteine, die im Schlamm gelösten Bestandteile der Aluminiumsilikate, der Tone und Lehme, der Feldspate und Gneise, der Granite, der Basalte und all der übrigen Gesteine und Erdmineralien lassen sich trotzdem nicht ohne weiteres so fein lösen, daß sie von den Wurzeln aufgenommen werden könnten, dazu bedarf es noch weiterer Vorarbeiten.

Die Pflanze kann sich oft dadurch helfen, daß sie aus dem Mineralstoffreichtum des Bodens die Leicht- und Erdmetalle, aus denen sich dieser zusammensetzt, durch von den Wurzeln ausgestrahlte organische Säuren zu lösen sucht. Wir sehen, daß sich auf einer polierten Marmorfläche z. B. das feine Fasernetz einer Pflanzenwurzel abzeichnet, wenn wir diese auf die polierte Fläche legen, mit Sand bedecken und sie dann dauernd feucht halten. Durch die Einwirkung des Wassers wird die polierte Fläche keine Veränderung erleiden, aber durch die in der Pflanze resp. im grünen Blatt der Pflanze sich entwickelnden Wurzelsäuren, die im Blatt als Vorstufe bei der Bildung der Zuckerstoffe wirkten, ist es der Faserwurzel der Pflanze möglich, den Felsen, in unserem Fall den polierten Marmor, oder Kalkstein aufzulösen, so daß sich ein feines Geäder auf der Fläche abzeichnet. (Dieses Beispiel läßt sich aber nur mit weichem Kalkgestein durchführen.) Die Faserwurzelchen, die auf der Oberfläche der Erde die Lösung der schon in Verwitterung übergegangenen oberen Erdschichten durchziehen, sind in dieser Beziehung für das Pflanzenwachstum die wichtigsten. Sie versorgen das grüne Blatt mit den Mineralstoffen, die zur Erhaltung der Lebenstätigkeit sowohl als auch die zum Aufbau der Pflanzen selbst notwendig sind. Wir sahen die Wichtigkeit z. B. des Magnesiums im Aufbau und in der Funktion des Blattgrünkörperchens. Es würde zu weit führen, hier zu zeigen, daß sich der Kalkgehalt des Bodens in anderer Weise in der Pflanze auswirkt resp. von der Pflanze eingesammelt wird. In wiederum anderer Weise wird der Kalium- und der Natriumgehalt der Sande und der Aluminiumgehalt der Lehme und Tone und der verwitterten Gesteine der verschiedenen Erden in der Pflanze gebraucht und dringend benötigt. Das Felsenmaterial setzt sich zusammen, wie schon erwähnt, aus den Silikaten, den Fluoraten, den Phosphaten, den Sulfaten usw., der Leicht- und Schwermetalle. Die für den Pflanzenwuchs und auch für die Erhaltung des tierischen Lebens wichtigsten Leichtmetalle seien in diesem Zusammenhang erwähnt. Es sind Natrium, Kalium, Aluminium, Kalzium (Kalk) und Magnesium (Bittererde). Die wichtigsten Schwermetalle sind vor allem Eisen und in Spuren alles, was der Boden nur hergeben kann, wie Kupfer, Mangan, Nickel, Kobalt, ja auch Gold und Silber. Es gibt eigentlich nichts in den Bestandteilen des Bodens, was sich nicht in mehr oder weniger großen Mengen oft nur in feinsten Spuren auch im Aufbau des Pflanzenwuchses und im Körper von Mensch und Tier wiederfindet. Während die Leichtmetalle in verhältnismäßig größeren, d. h. wägbaren, Mengen zur Erhaltung des Lebens und der Lebensäußerungen benötigt werden, wird von den Schwermetallen nur das Eisen in wägbaren Mengen benötigt, während die übrigen nur in Spuren zu finden sind. Wir werden später sehen, wie wichtig für die Lebensäußerungen gerade die sogenannten Spurenelemente sind, d.h. die Grundstoffe, die nur in Spuren im Körper von Mensch und Tier gefunden werden.

Es ist nun nicht so, daß die Pflanze einfach durch die Ausstrahlung von Wurzelsäuren, die aus den Bestandteilen der Luft und des Wassers, aus Kohlensäure, Stickstoff, Wasserstoff und Sauerstoff gebildet werden, allein das erdige und felsige Material lösen und zur Aufnahme fähig machen könnten. Die erdigen und felsigen Bestandteile müssen vielmehr so fein zerlegt, ja in ihre ursprünglichen atomischen Bausteine aufgelöst werden, daß sie ohne Behinderung mit dem Wasser im Saft der Pflanzen die Membranen und die Poren und später im Körper von Mensch und Tier die durchlässigen Hautschichten der einzelnen Organ- und Gewebezellen durchdringen können. Sie müssen nicht nur in mikroskopisch feinster Zerteilung vorgebildet, sondern in molekular-atomischer Feinheit zerlegt werden, um im Pflanzenwuchs und später im Körper von Mensch und Tier die benötigten Bindungen zum Aufbau der Gewebe leicht und schnell eingehen zu können.

Um diese feinste atomische Auflösung zu bewerkstelligen, bedient sich die Natur eines lebendigen Zwischengliedes, das in den Oberflächenschichten der Erde, vor allem in der sogenannten Humusschicht, wirksam ist. Dieses Zwischenglied ist die Kleintierlebewelt, ohne deren Vorhandensein der üppige Pflanzenwuchs der Natur sich nicht entwickeln könnte, da ohne diese die mineralischen Bestandteile des Bodens nicht in genügender Feinheit zur Verfügung stehen würden. Die durch Verwitterung gelösten Erden und Gesteine, die Lehme und Sande werden durch die Wirksamkeit des mikroskopisch feinen Bodenlebens, durch "das Leben im Ackerboden", wie Dr. R. Franck sich ausdrückt, weiter zerlegt und zerteilt. Die Lebewesen, im Ackerboden vom Regenwurm herab bis zum mikroskopisch feinsten-Organismus fressen die Erde, um die in der Erde verwesenden zucker- oder kohlenstoffhaltigen Rückstände des Pflanzenwuchses in sich aufzunehmen und dadurch ihr eigenes Leben zu erhalten. Beim Durchgang der Erde durch den Körper dieser oft mikroskopisch kleinsten Lebewesen werden die sich findenden feinsten pflanzlichen Rückstände in ihrem Körper verwertet. Die mineralischen Bestandteile werden aber nach dem Durchgang durch den Körper der Mikroorganismen als Stoffwechselrückstände atomisch feinst zerteilt ausgeschieden. Wir finden sie beim Regenwurm als kleine, feinst verriebene Erdhäufchen, die das Loch umgeben, durch das er schlüpft, wenn er an die Oberfläche will. Der Regenwurm und noch mehr die Mikroorganismen lösen durch das Fressen der Erde diese in so feine Formen auf, wie sie nachzuahmen uns Menschen kaum möglich sein wird. Das aber, was z. B. der Regenwurm hinterläßt, das fressen wiederum die kleinen und kleinsten Lebewesen und zuletzt die Mikroorganismen, so daß durch diese Lebewelt im Ackerboden eine immer feinere Zerteilung der Bestandteile der Erde in den obersten Schichten eintritt, soweit die Strahlen der Sonne noch tierisches oder pflanzliches Leben ermöglichen. Ist dieser Zustand in seiner idealsten Form erreicht, dann sprechen wir von einer Bodengare, von einem humösen Boden. Das beste Beispiel von dem Zustand eines solchen Bodens liefert uns der Wald.

Wir erhalten hier schon eine Antwort auf die Frage: Was ist Nahrung? Wir erkennen, daß für die Kleinstlebewesen im Ackerboden der Begriff Nahrung etwas ganz anderes ist als für die Pflanze, die ihren Hauptbedarf aus der Luft nimmt, und dementsprechend auch etwas anderes für Mensch und Tier sein muß, die ihrerseits wieder von der Pflanze leben wollen. Wenn nun die mineralischen Bestandteile im Ackerboden durch die lebenswichtige Arbeit der Kleintierlebewelt gelöst werden sollen, so ist dazu selbstverständlich eine gewisse Menge Wassers oder Feuchtigkeit im Boden notwendig. Wir wissen, daß eine Lebensäußerung nur möglich ist unter der Voraussetzung, daß Wasser, Luft und Sonne vorhanden sind. Wollen wir also als Vorbedingung zur Lösung der erdigen Bestandteile ein gut gewachsenes Nahrungsmittel für den Menschen in der Pflanze erzeugen, so bedarf es im Boden einer gewissen Durchlüftung oder besser einer Entlüftung zur Fortschaffung der gasförmigen Stoffwechselrückstände aus den Lebensäußerungen der Kleintierlebewelt. Wir dürfen daher den Boden nicht verkrusten oder verschlammen lassen, sondern sollen ihn so locker und in solchem Zustande halten, wie es uns der Zustand des natürlichen Waldbodens zeigt. Die vergehenden und durch Frost und Feuchtigkeit gelösten Rückstände der sommerlichen Lebenstätigkeit der Pflanze sind das Ideal der Bodendecke, aus dem der Pflanzenwuchs als Nahrung für Mensch und Tier in üppigster Weise hervorwachsen kann. Wenn durch das Leben im Ackerboden, durch den zerfallenden Pflanzenwuchs in demselben, durch Einwirkung von Regen, Luft und Sonnenschein eine Bodengare, eine wundervolle Humusschicht auf der Fläche der Erde entstanden ist, dann wird der Pflanze die Arbeit der Auflösung der erdigen Bestandteile, der Mineralstoffe, der Leicht- und Schwermetallverbindungen in der Erde durch die Lebensäußerungen der einzelligen Lebewesen, der Bakterien und Mikroben ebenso erleichtert wie durch die Kleinlebewelt.

Wenn die Erde durch den Körper dieser Kleinlebewelt hindurchgeht, entsteht eine mikroskopisch feine Lösung, ja vielleicht eine Lösung, die noch feiner ist, als wir im Mikroskop wahrnehmen können. Es zeigt sich bei den heute weit vorgeschrittenen Bodenuntersuchungen, daß es noch eine bakteriöse Lebewelt im Boden geben muß, die wir selbst mikroskopisch nicht wahrnehmen können, die sich aber durch die vorhandene Reaktion ihrer Stoffwechselrückstände als vorhanden erwiesen hat. Es sind das die sogenannten "Viren". Durch diese feinste Aufteilung ist es nun erst der Pflanze möglich, auch die im Glasfluß entstandenen kristallharten mineralischen Bestandteile des Bodens in für sie brauchbarer Form dargeboten zu erhalten. Wenn in einem solchen garen Boden die Pflanzenwurzel ihre oben erwähnten Pflanzensäuren ausstrahlt, so wird die Säure sich an den derart gelösten mineralischen Bestandteilen des Bodens, sich an den derart atomisierten Leicht- und Schwermetallen sättigen, d.h., sie wird sie an sich reißen und sich mit ihnen verbinden. Nun erst ist die Pflanze fähig, die so entstandenen basischen Verbindungen mit dem Wasser in ihrem Saftstrom mitzuführen. Die so entstandenen organischen Gebilde der erdigen Grundstoffe bilden nun die brauchbaren ergänzenden Aufbaustoffe in der Nahrung der Pflanze, deren Vorhandensein die Voraussetzung für den Einbau im Körper des Menschen ist, wenn er gesund werden und bleiben will.

Wir ersehen aus diesen kurzen Andeutungen, daß es sehr wesentlicher und mannigfacher Vorbereitungen bedarf, ehe die Pflanze fähig ist, die Bestandteile des Bodens aufzunehmen und in ihre Zellgewebe, in ihre Organe und lebenswichtigen Bestandteile so einzubauen, daß sie ihren vorgesehenen Zweck auch tatsächlich erfüllen können. Das zu beachten ist sehr wichtig; denn man könnte sonst ja versucht sein, ganz einfach der Pflanzenwurzel chemische Lösungen der benötigten Stoffe zuzuführen und anzunehmen, daß die Pflanze diese Stoffe zu ihrem Aufbau verarbeitet und tatsächlich auch in ihr Zellgefüge lebenswichtig einbaut. Derartige Versuche haben sich bisher noch immer nach vorangegangenen Scheinerfolgen letzten Endes doch als Täuschungen erwiesen. Wir dürfen nicht vergessen, daß alle anorganischen metallischen Verbindungen in grob chemischer Form sich im lebendigen Saftstrom von Mensch und Tier als Gift auswirken werden, d. h. sie tragen in sich lebenzerstörenden Charakter. Wasserlösliche Salze der erdigen Grundstoffe können wohl vom Saft der Pflanze aufgenommen werden, aber sie werden nicht naturbestimmt in das lebendige Zellgefüge eingebaut, sondern zwischengeschoben. und täuschen so ein üppigeres Wachstum vor. Sie sind die Ursache der vielen Boden- und Pflanzenkrankheiten unserer Tage. Nur wenn durch die vom Leben vorgesehenen Naturkräfte in der vorbeschriebenen umständlichen Art und Weise die Bestandteile der Erde gelöst und vorbereitet worden sind, nur dann baut die Pflanze sie organisch und lebenskräftig, in ihren Körper ein. Nur dann können sie mit der Pflanze, die wir als Nahrung genießen, in unserem eigenen Körper als aufbauende "Nährstoffe" wirksam werden.
Um ihre Nahrung aus dem Boden zu holen, schlägt die Pflanze ihre Wurzeln in das Erdreich. Die wassersuchenden Wurzeln gehen dabei, soweit es möglich ist, bis auf die Grundwasserschichten hinab, während die Nahrung suchenden sich nur in den obersten Erdschichten finden. In diesen "humösen" Schichten binden sie die dort durch die Einflüsse der Verwitterung und durch die Kleintierlebewelt gelösten und in ihre feinsten Teilchen zerlegten Erden durch die ausgestrahlten Wurzelsäuren und nehmen sie in ihrem Saftstrom auf, um sie zuerst für den Aufbau der Wurzeln und dann erst für den der ganzen übrigen Pflanze verwerten zu können.

Um den Aufbau der Pflanze zu ermöglichen, bedarf es aber nicht nur der Bestandteile des Bodens, sondern wir sahen, daß der Hauptteil ihres Nahrungbedarfes aus der Luft stammt. Unter der Einwirkung des Sonnenlichtes gewinnt die Pflanze die Fähigkeit, die Kohlensäure aus der Luft herauszuziehen, diese zu spalten und den Kohlenstoff darin für sich zu verwerten, während der Sauerstoff teilweise wieder an die Luft abgegeben wird. Das sind uns bekannte Vorgänge. Aber es spielen sich zum Aufbau des Samens, der Samen- und Keimanlage und beim Aufbau der Blattgrünkörperchen noch andere Vorgänge ab, die zu ergründen und zu erforschen dem menschlichen Geiste noch nicht vollständig möglich war. Es ist die Umwandlung und der Einbau des Stickstoffes der Luft in die Pflanze zur Erzeugung der Protoplasmastoffe oder der Proteine oder Eiweißstoffe, welche die Träger des Blattgrüns, des chemisch wirksamen Farbstoffes im Blatt, und die Träger der Keimanlage im Samenkorn sind. Alles versucht der menschliche Geist im Aufbau der Pflanze zu erforschen, nur dieser Teil des pflanzlichen Lebens ist ihm noch Geheimnis geblieben. Wir finden, daß z.B. die Tanne auf dem höchsten Berggipfel noch Fuß fassen kann und hier, nur in gelockertem und verwitterten Gesteinsritzen sitzend, ihre Wurzeln in den Boden schlägt, ohne je die Möglichkeit zu haben, auch nur ein Atom an Stickstoff aus der Erde und dem Boden entnehmen zu können. Doch entwickelt die Tanne, auf festem Felsengrund stehend. ein prächtiges grünes Kleid voller Farbstoffträger oder Blattgrünkörperchen und eine üppige Fülle von Tannenzapfen und damit von Samenträgern. Blüte und Befruchtung geht vor sich und damit auch die Bildung von Keimplasma und Proteinen, ohne daß wir auch nur den geringsten Anhaltspunkt dafür haben, daß die dort oben stehenden Tannen den dazu benötigten Stickstoff dem Boden entzögen. Es gibt für sie nur die einzige Möglichkeit, den zur Entwicklung der Samenanlage und des Samens lebenswichtigen Stickstoff aus der Luft zu entnehmen. Je üppiger sich eine Pflanze entwickeln soll, desto lebhafter muß der Luftwechsel und das flutende Sonnenlicht sein, wenn gleichzeitig genügend Wasser zur Verfügung steht und die Witterungsverhältnisse eine Lockerung des Bodens und seiner Bestandteile hervorrufen. Damit haben wir festgestellt: Die der Pflanze zukommende Nahrung sind: das Sonnenlicht, die Luft, das Wasser und die im Boden gelösten erdigen Bestandteile.

Licht, Luft, Wasser und erdige Bestandteile sind die vier Grundlagen alles pflanzlichen, und auch die Grundlagen alles tierischen Lebens. Wir wollen das von vornherein fest im Auge behalten und uns immer daran erinnern, umso leichter werden wir verstehen, daß auch zur Aufrechterhaltung des tierischen Lebens die gleichen Grundlagen maßgebend sind, nämlich Licht, Luft, Wasser und die erdigen Bestandteile des Bodens vorbereitet und getragen in den Kohlenhydraten des Pflanzenwuchses, d.h. gebunden an die Zuckerstoffe der Pflanze und ihrer Säfte, ergänzt durch die Abkömmlinge, der Zuckerstoffe, die pflanzlichen Fette und Proteine oder Eiweißstoffe.

Die Pflanze hat zum Herausholen der erdigen Bestandteile eine feste Verbindung mit der Erde durch ihr Wurzelwerk und hat daher einen festen, unverrückbaren Standort. Das tierische Leben hat keinen festen Standort, es hat keine feste Verbindung mit der Erde und dem Boden, es unterscheidet sich im Gegenteil von der Pflanze eben durch die Möglichkeit der freien Bewegung. Da aber das Tier ohne die erdigen Bestandteile nicht auskommen kann, so gibt es für dieses nur eine einzige Möglichkeit, sich zu ernähren, nämlich, die im Pflanzenwuchs eingebauten oder im Einbau begriffenen, also im Saft der Pflanze enthaltenen Mineralstoffe und erdigen Bestandteile sich einzuverleiben und sie im Verdauungsvorgang aus dem verspeisten Pflanzenwuchs herauszulösen und in den eigenen Organismus einzubauen. Die Pflanze stellt eine hoch organisierte und funktionell wunderbar zusammenarbeitende Grunne von Zuckerstoffen dar, deren gemeinsame größte Zweckbestimmung die Erzeugung der Frucht oder des Samenkorns ist, die auf dem Umweg über die Blüte zur Entwicklung kommt, um den Bestand des Lebens der Pflanze in ihren Nachkommen zu sichern.

Während die Pflanze ihr Wurzelwerk in den Boden schickt, um die erdigen Bestandteile und das Wasser herauszuholen und in ihrem Aufbau zu verwerten, haben Menschen und Tiere in den sinnreich entwickelten Organen zur Nahrungsauswertung, d.h. im Mund, im Magen, im Zwölffingerdarm und den jeweils darin endenden oder eingelagerten Verdauungsdrüsen, im Dünndarm, im Dickdarm und Mastdarm einen Weg gefunden, um das, was mit der Pflanze als Nahrung aufgenommen wird, in sinnvoller Weise zu lösen und zum Aufbau des eigenen Körners zu verwerten. Dabei aber dürfen wir nicht vergessen, daß die Verwertung der festen Nahrung aus dem Pflanzenreiche nicht die einzige Quelle der Nahrung ist. Wir sehen, daß der Mensch und das Tier ungleich größere Mengen an Stoffen aus der Luft durch die Atmung in sich aufnehmen als die, die sie mit der Nahrung verzehren. Die Tag und Nacht nicht aufhörenden Luftwechselvorgänge in den Lungen, die dabei sich abspielenden Stoffwechselvorgänge und die Verarbeitung der Bestandteile der Luft im Körper sind für Mensch und Tier ebenso wichtig als die Nahrungsaufnahme. Wir werden sehen, daß aber auch die Einwirkung des Sonnenlichtes auf den menschlichen und tierischen Körper nicht vernachlässigt werden darf, wenn der Einbau der Nahrungsbestandteile im Aufbau der Knochen und Muskeln richtig vor sich gehen soll. Unnötig ist es, noch hinzuzufügen, daß auch das Wasser als lebenswichtiger Bestandteil der Nahrung nicht außer Acht gelassen werden darf und daß deshalb die Nahrung des Menschen sich genau wie für die Pflanze letztlich zusammensetzt aus Licht, Luft, Wasser und den Bestandteilen des Bodens, die in vorbeschriebener Weise durch die Pflanze bereits umgewandelt und vorbereitet wurden, damit sie im menschlichen Körper richtig und ordnungsgemäß eingebaut und verwertet werden können.
Wir haben damit im Prinzip die Antwort auf die Frage gefunden: Was ist Nahrung? Alles, was die vier Grundbedingungen umfaßt und einschließt, das gehört zur Nahrung des Menschen.

Die Pflanze als Vorbedingung zur Ernährung für Mensch und Tier

Wenn wir uns im Folgenden besonders mit dem Teil unserer Nahrung befassen, der durch die Zähne zerkleinert, unserem Magen zugeführt wird, so erfassen wir damit immer nur den kleineren Teil der lebenswichtigen Gesamtnahrung, der aber, im Gegensatz zur Luft, unserem freien Willen bei der Aufnahme unterstellt ist. Die Einwirkung des Sonnenlichtes auf unseren Körper sollte normaler Weise eine Selbstverständlichkeit sein. Warum es das nicht ist, werden wir später erfahren. Auch der Luftwechsel durch unsere Lungen wird im Verlaufe dieser Abhandlungen noch des öfteren erläutert werden. Über die Notwendigkeit der Wasseraufnahme brauche ich kein Wort zu verlieren. Der Aufnahme der festen Nahrung gilt unsere ganze Aufmerksamkeit; denn wir sehen, daß gerade in dieser Beziehung eine Vielfältigkeit von Ansichten, Gebräuchen und Gewohnheiten gegeneinander stehen, welche die Sinne der Menschen zu verwirren drohen, ohne ihm bisher eine, einwandfreie, eindeutige Antwort geben zu können.

Tier und Mensch bewegen sich frei auf der Erde. Die Pflanze als Nahrungsmittel und die zu ihrer Verarbeitung bestimmten Organe müssen also das ersetzen, was der Pflanze in ihrem Wurzelwerk zur Aufnahme der Nahrungsbestandteile der Erde und des Wassers dient. Das, was im lebenden Pflanzenwuchs vorgebildet wurde, dient der ganzen übrigen Lebewelt, sowohl den Insekten und den Fischen und Vögeln als auch den vierfüßigen Tieren und dem Menschen zur Nahrung. D.h.: Die Grundlage alles tierischen Lebens ist ohne Ausnahme der lebendige, grüne Pflanzenwuchs einschließlich der zur Samenerzeugung notwendigen Blüten und Samen und das den Samen umgebende Fruchtfleisch. Wir dürfen uns dabei nicht durch die kleine Gruppe von Tieren täuschen lassen, die scheinbar nicht von Pflanzen leben, sondern von anderen Tieren. Es sind dies die Raubtiere. Diese zerreißen andere Tiere, fressen sie und sättigen sich an ihnen. Derartige Raubtiere sind z.B. fast die gesamte Vogelwelt, die von Insekten lebt. Da aber die Insekten ohne den Pflanzenwuchs nicht denkbar sind und zum Unterhalt des Pflanzenwuchses ganz bestimmte Funktionen im pflanzlichen Leben zu erfüllen haben, so sind diese als ein Bestandteil des Pflanzenwuchses zu betrachten, die für ihre Arbeit, für ihre Vermittlertätigkeit im Pflanzenwuchs von der Pflanze unterhalten werden. Damit nun die Vermehrung der Insektenwelt nicht in gar zu großem Umfange stattfindet und dann den Bestand der Pflanzen gefährden würde, muß sie durch die Vogelwelt entsprechend kurz gehalten werden. Außer der Vogelwelt, in der es allerdings eine große Anzahl gibt, die sich direkt von der Pflanze und vom Pflanzenwuchs ernähren können, wie z.B. die allermeisten Wasservögel des Binnenlandes, so gibt es außerdem noch die artreiche, im Verhältnis zu den pflanzenfressenden Tieren mengenmäßig aber sehr kleine Anzahl von Raubtieren, deren Aufgabe darin besteht, eine im Naturzustand zu üppig werdende Tierwelt niederzuhalten, damit durch die Tiere der Pflanzenwuchs nicht ausgerottet werde. Da aber die pflanzenfressenden Tiere nur durch den Verzehr der Pflanzen sich ernähren und erhalten können; so ist das Raubtier auf dem Umweg über das pflanzenfressende Tier gleichfalls nur durch die vorbereitende Arbeit der Pflanzen möglich.

Bisher, oder wenigstens während der letzten uns bekannten 6.000 Jahre haben nachweisbar alle Menschen, ganz einerlei wo sie leben, wo sie wohnen und welchen Beruf sie ausüben, Fleisch vom Tier oder andere vom Tier stammende Speisen gegessen, seien es Eier, Milch, Butter usw. Dabei machen wir die Entdeckung, daß sowohl das Fleisch der Landtiere oder der Vögel als auch das der Fische dem Menschen für den Genuß ebenso bekömmlich schien, wie zusätzliche Speisen aus dem Pflanzenwuchs. Seit mindestens 6.000 Jahren hat die Menschheit es für etwas Besonderes gehalten, Fleisch zuzubereiten und essen zu können. Sie hat sich darauf etwas zu Gute getan, daß sie wie ein Raubtier in die Tierwelt einbrach, raubend, mordend und Leben vernichtend. Sie hat, um ihrem wachsenden Verlangen nach Fleischnahrung und nach vom Tier stammenden Speisen nachkommen zu können, die Fläche der Erde in Wüsteneien verwandelt, den üppigen Baumwuchs niedergeschlagen und den Wald in Wiesen und Acker verwandelt, damit die scheinbar für seine Ernährung notwendige pflanzenfressende Tierwelt ihr Auskommen finden und der Fleischverbrauch entsprechend gesteigert werden könne. Der Erfolg dieses Vorgehens ist ein ganz merkwürdiger:

Das Gegenteil von dem, was die Menschheit erwartete, ist eingetreten. Der Mensch erwartet auch heute noch körperliches Wohlergehen, kraftstrotzendes Aussehen, Entwicklung großer Muskelkräfte und was sonst noch aus den vom Tier stammenden Speisen. Wir sehen stattdessen, ganz allgemein gesprochen, ein frühzeitig zusammenbrechendes Geschlecht aufwachsen und sich fortpflanzen, das im Alter von 10 Jahren oft schon ein schadhaftes Gebiß als Zeichen beginnenden Verfalls des Knochenwuchses zeiht, mit 90 Jahren Hinfälligkeit und Zusammenbrechen in scheinbar bester Jugendkraft an Lungenkrankheiten und Blutverfall, zwischen 30 und 40 Jahren zeigen sich dann die ersten chronischen Krankheitszeichen, einhergehend mit plötzlich ausbrechenden Stoffwechselkrankheiten, die scheinbar durch "Erkältungen" hervorgerufen werden, zwischen 40 und 50 Jahren melden sich dann chronische Krankheitszustände in stärkerem Maße mit einem Versagen der Arbeitskraft einhergehend, die heute allgemein als der Knick in der Arbeitskraft bezeichnet wird und eine ruhig hingenommene Alterserscheinung bei fast allen berufstätigen Menschen ist. Nach dem 50. Lebensjahre fühlt sich der Mensch unter den mit ihm zugleich Geborenen und noch Übriggebliebenen als auf dem absterbenden Ast Befindlichen, bei denen man es für eine Selbstverständlichkeit hält, daß die Schaffenskraft mehr und mehr nachläßt und er sich auf die bekannten Alterserscheinungen vorbereiten muß. Von da an wankt der Mensch mehr oder weniger schnell einem frühzeitigen Tode entgegen, der ihn oft plötzlich in Form von Herzlähmung oder Gehirnschlag aus der eigentlichen Vollkraft des Lebens herausreißen kann. Statt der erwarteten erhöhten Schaffenskraft und Lebensfreude durch den Fleischverzehr sehen wir sich immer mehrende Krankheitserscheinungen unter den Menschen, die zu einem vorzeitigen Tode führen, wenn es nicht gar in der erwähnen Weise ein plötzliches Ende nimmt. Das aber kann kein natürlicher Zustand sein. Der natürliche Zustand sollte ein Dauerzustand fröhlichen Wohlbefindens und mit dem Alter zunehmender Geisteskräfte, zunehmender Körperkräfte und zunehmender Erfahrung auf allen Gebieten und daraus bedingter erhöhter geistig-seelischer Schöpferkraft sein, nicht aber ein vorzeitiger, die Arbeitskraft lähmender Krankheitszustand, Gebrechen aller Art und viel zu früher Tod.

Wir ersehen aus dieser kurzen Zusammenstellung, daß in den Ansichten und Gewohnheiten der Menschen ein grundlegender Fehler, ein grundlegender Verstoß gegen die natürlichen Gesetze der Lebenserhaltung vorliegen muß, durch den diese schon in der Kindheit, ja im Säuglingsalter einsetzenden Krankheitserscheinungen und der immer mehr und mehr zunehmenden Gebärunfähigkeit Vorschub geleistet wird. Es soll daher im Folgenden unsere wichtigste Aufgabe sein, den Nachweis zu erbringen, daß die Folgen dieser Verstöße gegen die natürlichen Gesetze der Lebenserhaltung tatsächlich überwunden werden können durch eine Umstellung der Ernährung auf den natürlich gewachsenen Pflanzenwuchs in all den Formen, in denen sich uns die Pflanze und ihre Frucht als Nahrungsmittel darbietet.

Das Entwicklungsgesetz der Kulturvölker

Diese Aufsatzreihe will die inneren Zusammenhänge und Ursachen ergründen, die dem Ablauf unserer Geschichtserlebnisse und der Geschichte der Menschheit, als Ganzes gesehen, zu Grunde liegen. Sie will den geheimen Gedankengängen nachspüren, denen sich die Menschen hingeben in dem Versuch, die Schwierigkeiten in ihrem persönlichen und nationalen Leben zu überwinden und den glückseligen Zustand wieder zu erreichen, den sie zu irgend einer Zeit ihrer Geschichte schon einmal besessen haben, wie aus dem Sagenschatz fast aller Völker und Länder hervorgeht. Die wirtschaftliche und politische Geschichte eines jeden Volkes aber geht aus von der Tatsache, daß die Menschen zuerst einmal ernährt werden wollen. Das Hauptaugenmerk und die schwierigsten Bedingungen im Zusammenleben der Völker aber bieten zu allen Zeiten die Befriedigung des Hungers. Wäre nun die Ernährung der Menschen naturgemäß und zweckentsprechend auf die natürlichen Gesetz der Lebenserhaltung gegründet, dann gäbe es wohl keine ernstlichen Schwierigkeiten zu überwinden. Darin aber liegen die ganzen Mißstände und Unvollkommenheiten im Zusammenleben der Menschen und Völker begründet, daß sie von diesen Lebensgesetzen abwichen und nach der Abweichung von den natürlichen Ernährungsgrundlagen ihr Leben entsprechend einrichteten. Aus unnatürlichen Voraussetzungen aber kann kein natürlicher Zustand des glücklichen und zufriedenen Zusammenlebens aufgebaut werden. Der unrichtigen Grundlage entsprechend wird sich auch der Aufbau der Volksgemeinschaft zwangsläufig unrichtig und unnatürlich entwickeln. Ehe darum die eigentlichen Ursachen der geschichtlichen Entwicklung des wirtschaftlichen und politischen Zusammenlebens der Menschen und Völker in ihrer heutigen Form aufgerollt werden können, müssen die unrichtigen Grundlagen der Ernährung und der Nahrungserzeugung aufgezeigt werden. Dies geschieht in den ersten beiden Aufsätzen dieser Reihe: Feuerzauber und das Grundgesetz der Lebenshaltung.

1. Der Feuerzauber

Im klassischen Hellas, dem heutigen Griechenland, ging eine mythische Sage um, von den Leiden eines Mannes, des Mannes, der in frevelhaftem Begehren den Göttern das Feuer stahl. Prometheus, der Vorsorgende, brachte es den Menschen hernieder und lehrte sie, das Feuer zu ihrem Nutzen und zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse zweckentsprechend anzuwenden. Was geschah ihm als Folge seines frevelhaften Beginnens? Die mythische Sage schildert in anschaulicher Sprache seine Leiden als Folge seines Ungehorsams. Prometheus wurde an den Felsen geschmiedet und ein Adler kam täglich, riß ihm immer von neuem die Seite auf und fraß an seiner Leber. Und das Volk, das seinem Wahnsinn gefolgt war und sich in immer neuen Formen des Feuers bediente, was geschah ihm?

Die Götter händigten dem Volke ein verschlossenes Gefäß aus, die Büchse der Pandora genannt. Sie wurde geöffnet und ihr entstiegen als Folge der Anwendung des Feuers in der täglichen Hantierung der Menschen eine Unzahl von schweren Krankheiten und Gebrechen, eine immer verderblicher, rätselhafter und schrecklicher als die andere.

Was wollte der Künder uns in dieser Mythe sagen? Birgt sie auch für uns eine wirkliche bisher nicht erkannte Wahrheit? Ja, sie tut es. Die Anwendung des Feuers in unserer täglichen Hantierung als vorsorgende Menschen hat uns heute Lebenden nach dem Vorbild des Prometheus an den Felsen gefesselt. Wir sind wie von zerstörenden Naturkräften heimgesucht und leiden immer noch und immer schrecklicher unter den Folgen des gegen die Götter und deren Vorsehung frevelnden Feuerzaubers in allen Begebenheiten unseres täglichen Lebens. Wollen Sie mir folgen und die Qualen und Schrecken an Ihrem geistigen Auge vorüberziehen lassen, die der Feuerzauber zeitigt ? Dann bitte ich um Ihre Aufmerksamkeit für einige Minuten.

Im Feuer brennen wir uns Ziegel zur Erbauung unserer Häuser. Im Feuerzauber schmelzen wir das Erz der Felsen und Gebirge und gewinnen daraus Eisen und Stahl, Kupfer und Zinn, Bronzen und Aluminium. Im Feuer gewinnen und reinigen wir das Silber und das Gold, die Edelmetalle und das billige Blei. Dem Feuerzauber sind wir verhaftet, was auch immer wir beginnen. In unserer täglichen Hantierung, im Haushalt oder im Handwerk, auf dem Acker oder in der Fabrik: Das Feuer hilft scheinbar so viele Schwierigkeiten spielend überwinden. Wir preisen es als den Bringer von Fortschritt und Erfolg, dem wir Reichtum und Wohlleben, erhöhte Freude und viele Annehmlichkeiten verdanken. Darüber vergaßen wir, auch die andere Seite, auch die Kehrseite dieses Beginnens zu beachten. Um, das Feuer in seiner heutigen Anwendung zur Entfaltung zu bringen, sind wir tatsächlich an den Felsen verhaftet und an ihn gefesselt.
Der Bergmann steigt durch die Schächte in die Berge, Kohle zu fördern, zur Unterhaltung des ach so wohltätigen Feuers. Er setzt sich damit täglich den Gefahren des Schachtes tief im Innern der Erde, fern dem Lichte der Sonne aus und schürft und fördert die Kohle. Wißt Ihr was es heißt, vom schlagenden Wetter getroffen zu werden?! Eine andere Gruppe steigt in den Berg, das Erz zu fördern, das uns im Feuerzauber das Eisen und das Kupfer, das Silber und das Blei und all die vielen Metalle geben soll, die wir in unserer täglichen Hantierung glauben brauchen zu müssen. Kennt Ihr die Gefahren des Bergmannes bei künstlichem Licht, die ihm vom fallenden Gestein und vielem anderen im glitschigen Schacht drohen?!

Wahrlich, an den Felsen gefesselt sind wir mit unserer so gepriesenen Kultur auf Kosten der Gesundheit und des Lebens der Bergleute. Aber sind sie nicht auch Menschen, denen einst eine glückliche Mutter freudig in die Wiege lächelte? Sie werden nun wie von einem fressenden Adler täglich von neuem gequält. Sie sind den Krankheiten des Bergmannes schutzlos und erbarmungslos preisgegeben.
Doch das ist nicht alles. Infolge des Feuerzaubers schufen sich die vorsorglichen Menschen, die wir sind, die Geräte und Handwerkszeuge in ihren Fabriken und ihren riesenhaft angewachsenen Industrien. In diesen aus dem Felsen im Feuer gezauberten Stätten der Erzeugung werden ungezählte Menschenmassen in den Großstädten verbraucht, die einst als stämmige Landkinder in fester Gesundheit sich tummelten. Vom Feuerzauber der Großstadt und ihren scheinbaren Annehmlichkeiten geblendet, wanderten sie in Scharen, ja, zu ungezählten Millionen in die Fabrik und entvölkerten das Land. Wie wenige waren erfolgreich! Wie viele aber blieben auf der Strecke! Wo aber sind die Nachkommen dieser einst so gesunden Menschen? Die Großstadt hat sie aufgezehrt. Krankheit und Siechtum hat sie dahingerafft. Schon die dritte Generation ihrer Nachkommen ist nicht mehr. Trotzdem wandern immer neue Scharen, vom Feuerzauber der Großstadt und ihren Möglichkeiten geblendet, in die Industrie.
Einen Schritt weiter im schnellen Lauf der Zeit: Was sehen wir?! Im rasenden Feuerzauber des Trommelfeuers sank unsere Jugend dahin. Elend, Kümmernis und vernichtende Wirtschaftskrisen im Gefolge!
Noch einen Schritt weiter: Da sank im Feuerzauber der Bomben und Granaten aus der Luft die Großstadt mit all ihrem Blendwerk in Schutt und Asche. Vernichtet die mühsame Arbeit unzähliger Millionen in jahre- und jahrzehntelanger Sorge um ein zweifelhaftes Glück. Und dann war der Zauber aus.
Von Hunger und Kälte gepeinigt, ohne schützendes Obdach, von allen verlassen und dem Elend ausgeliefert, das ist das Ende der prometheusschen Entwicklung des Feuerzaubers nicht nur in Deutschland, nein, auch in Ninive und Babylon, in Karthago wie auch im alten Rom. Wahrlich, die Götter straften uns genug für unseren Frevel ! Und doch nicht genug.

Was bedeutet uns die Büchse der Pandora? Was haben die ihr entsteigenden Seuchen und Krankheiten, die Entfesselung aller unzüchtigen Triebe und gierender Eigensucht mit dem Feuerzauber unserer Kultur zu tun?
Laßt uns Umschau halten und sehen, wie die Menschen auf dem Erdenrund es treiben. Begeben wir uns zunächst in die fruchtbarsten Gebiete des inneren Afrikas. Die Erde ist dort durch reichlichen Regen zu seiner Zeit und durch fruchtbare Bodenverhältnisse ungemein gesegnet und bringt ohne Zutun der Menschen eine Fülle von fruchttragenden Bäumen und wohlschmeckenden Wurzeln und Kräutern hervor. Sie genügen, um ungezählten Scharen von frei lebendem Wild aller Art reichlich Nahrung zu geben. Auch der Mensch würde reichlich zu essen bei nur geringer Nachhülfe finden. Aber, was sehen wir? Den Bewohnern des Dorfes wurde Kunde von einem gefallenen oder erlegten Großtier. Sofort ist das ganze Dorf auf den Beinen, sich einen nicht zu kleinen Fetzen vom Fleisch des Kadavers zu besorgen. Es steht ein festlicher Schmaus in Aussicht! Die Frau wird schnell noch in mühsamer Arbeit Getreide auf der Steinmühle vermahlen, in froher Erwartung den Teig zum Zubrot bereiten und in der Glut des Feuers backen. Dann wird der erbeutete Kadaverfetzen, Fleisch genannt, auf irgend eine Weise im Feuerzauber durch Erhitzen und Zusatz von Gewürz mundgerecht gemacht. Der festliche Schmaus kann beginnen, der durch irgend ein im Feuer gebranntes Getränk im berauschenden Gelage oft mit Mord und Totschlag, mit unverschämtem Gieren und großem Jammer endet.

In Australien konnten wir einst dem Buschmann in der Wildnis begegnen. Wie trieb er es? Er streifte durch die Gegend von der Küste bis zum Rand der Wüste rundum in seinen Gebieten, um Nahrung zu suchen. Ein sich zeigender Teich oder Wassertümpel wird auf dort erprobte Weise schnell leer gefischt von allem Getier. Dann beginnt ein ergötzlicher Schmaus. Er kann auf seinen ewigen Wanderungen keine hindernden Lasten mit sich führen. Da frißt er sich dick und dumm an den im Feuer gebackenen oder gekochten Fischen mit den notwendigen Zuspeisen, die alle ohne Ausnahme erst durch die Glut des Feuers mundgerecht gemacht wurden. Ihm dient die Schlange und das Känguruh, die Beutelratte und alles, was da kreucht und fleucht zum Fraß, ergänzt durch alle ihm bekannten eßbaren Wurzeln, Kräuter und Früchte, aber alles im Feuer zubereitet.
Machten die Polynesier in ihren ozeanischen Eilanden es anders? Alles was da fliegt und kriecht, was im Wasser schwimmt oder auf der Erde sich tummelt und erwischt wird: es dient ihnen zur Speise, doch erst nach entsprechender Zubereitung im Feuer. Ja, dort fanden die staunenden Europäer die Einwohner vieler Inseln auf Jagd nach Menschenfleisch. Tiermord zur Erlangung der Nahrung war dort zum Menschenmord geworden.
Doch machen wir uns auf nach Japan. Ist es dort anders? 0h ja, dort leben die Menschen dicht aufeinander. Die zerklüfteten Gebirge beschränken das Siedlungsgebiet und das Meer bietet eine nicht zu übersteigende Grenze. Die Erde wird in mühsamer Arbeit bebaut, ihr Nahrung abzugewinnen. Sie war so knapp, daß Viehzucht unrentabel wurde, da ging man aufs Meer und fischte. Der Deutsche verzehrte seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts bis zu 60 kg Fleisch pro Kopf und Jahr. Der Japaner braucht bis 60 kg Fische. Fischkadaver aber wirken entartender noch auf den Menschen wie das Fleisch von Tierleichen. So verkümmerte sein Knochenwuchs. Auch der Japaner glaubt, in der Zubereitung seiner Speisen des Feuers und seines Zaubers nicht entraten zu können.

Aber begeben wir uns weiter aufs Festland und schauen wir dem Inder, dem Hindu zu. Er ist ein strenggläubiger Buddhist oder ein edler Brahmane. Beiden verbietet ihre religiöse Lehre die Tötung der lebendigen Seele des Tieres. Er lebt deshalb von pflanzlicher Nahrung, aber ach, wie kümmerlich! Was Garten und Feld ihm bieten, wurde bis zum Auftreten Ghandis, des Lebensreformers, im Feuer zubereitet. Durchs Feuer wird die lebendige Pflanze und ihre Früchte in ein gehalt- und geschmackloses Etwas verwandelt, das dann durch allerlei Gewürze, Salz und dergleichen wieder schmackhaft werden soll. Welch eine ungeheure Täuschung verbirgt sich dahinter! Glaubt man wirklich, seinen lebendigen Körper durch totgekochtes Gemüse mit Salzzusatz in der Vollkraft lebendiger Empfindung und froher Leistungsfähigkeit erhalten zu können? Ein abgekämpftes, gequältes und ewig haderndes Volk von 400 Millionen ringt mit dem Hunger und dem Elend. Doch, schauen wir näher zu. Was ist denn das? Dem Hindu gilt durch seine Religion das Schlachten und Verzehren von Tieren als todbringendes Unrecht. Was sollen dann die vielen Rinder auf dem Bauernhof und auf der Weide?? Wir zählten 1936 über 250 Millionen Rinder und Büffel. Wozu das? Werden doch von diesen Rindern und Büffeln nur etwa 50 Millionen zur Arbeit auf den Feldern und als Zugtiere in den Städten gebraucht?

Der Grund dafür liegt in einer unrichtigen Geisteshaltung der letzten arischen Eroberer, die unter Anrufung Indras, ihres Gottesbegriffes, wahre Kesseltreiben zur Ausrottung der Bewohner veranstalteten. Indra, dargestellt als Blonder, Goldhaariger, entspricht etwa dem altgermanischen Thor. Ihm wird dort noch heute, wie einst in Germanien, als Opfertier der Ziegenbock dargebracht. Die Waffe der Eroberer ist der Bogen und ihre Gedanken, in Liedern der Veden noch zu finden, waren etwa: "Mit dem Bogen wollen wir Rinder ersiegen, mit dem Bogen die Schlacht gewinnen, mit dem Bogen siegreich bestehen." Die Wirtschaftsform der Sieger und Besiegten war die Viehhaltung. Das Rind bestimmte das Denken und Trachten auch das der Frommen. Der Inder nennt sein Land "Ajras", aus der Wurzel Aj = treiben, antreiben gebildet. Ajras ist die Drift oder die Weide. Bemerkenswert sind folgende wörtlichen Übersetzungen: Der Kampf, indisch gavischti, wörtlich: Begierde nach Kühen; kampflustig, indisch gavyn, wörtlich: nach Kühen verlangend. Der König, indisch gopati, wörtlich: Besitzer von Kuhherden usw. Die Vorbewohner und auch die Eroberer trachteten nach dem Besitz von Rindern und Herden als Ausdruck ihres Reichtums. Das erklärt das Rätsel: Mit der religiösen Erneuerung durch Gautama-Buddha und den nachfolgenden Kulturkämpfen drang die Erkenntnis von der Verwerflichkeit des Fleischgenusses durch, aber der Gedanke des Besitzes von Rindern und Herden als Reichtum wurde nicht mit ausgerottet. So blieb der Besitz von Kühen als Ausdruck von Reichtum bestehen unter Verbot des Schlachtens und der Ausnutzung. Erfolg: In Indien wird der Reichtum des Landes und die Bodennutzung von den nutzlosen Rindern aufgefressen und das Volk dem Elend preisgegeben.

Man beachte: Wo ein Rind das Jahr über satt wird, können bei Anzucht nur solcher Erzeugnisse, die dem Menschen direkt ohne den Umweg über das Tier zur Nahrung dienen, zehn und mehr Menschen satt werden.
Umgerechnet auf Indien könnten auf dortigem Boden bei den dortigen klimatischen Verhältnissen 200 Millionen mal 10, das sind, man höre und staune, zusätzlich 2.000 Millionen Menschen mehr leben wie heute, ohne sich gegenseitig zu drängeln. Man sieht aus diesem Beispiel, wohin die Verschwendung der Bodenfläche zur Fütterung des Viehs führen muß. Gilt doch für Deutschland die gleiche Verhältniszahl: Ein Rind = zehn Menschen. Ich selbst und viele hundert andere in Deutschland leben von ungekochten, rein pflanzlicher Nahrung ohne Fleischgenuß und Verzehr von solchen Nahrungsmitteln, die vom Tier stammen, bei guter Gesundheit und voller Schaffenskraft. Wann werden die Deutschen begreifen, daß man dabei nicht nur auskommen kann, sondern gesunder, kräftiger und leistungsfähiger wird wie bei landläufiger Ernährung ?Unter Ausschaltung der Viehhaltung könnten auf deutschem Boden statt 20 Millionen Rinder und ebenso vielen Schweinen, die den Hauptteil jeglicher Bodenerzeugung fressen, mindestens 100 Millionen zusätzlich mehr Menschen leben als heute, ohne daß Nahrungsmittel aus dem Ausland eingeführt zu werden brauchen.

Doch zurück zu Indien. Der Inder ißt aus Überzeugung kein Fleisch und kaum irgendwelche tierischen Erzeugnisse. Ist er darum gesünder und leistungsfähiger als wir? Mit nichten; denn auch er kocht, backt und brät, salzt und würzt seine rein pflanzliche Nahrung in vielfältiger Weise. Was tut der Mensch durch diesen Feuerzauber bei der Zubereitung seiner Nahrung? Kurz gesagt: Er zerstört die Lebenskraft der Pflanze, er vernichtet den so mühsamen und verwickelten Aufbau des pflanzlichen Organismus. Die Einwirkung der Feuersglut auf jedes lebendige Wesen, sei es Pflanze, Tier oder Mensch, zerreißt den organischen Aufbau und verwandelt die organische Substanz zurück in ihre ursprünglich anorganischen und mineralischen Bestandteile. Die einst lebendige Pflanze wird im Feuerzauber zurückverwandelt in ein gehaltloses, kraftloses, totes Gemisch von unverdaulichen Aschen, zerrissenen aufgelösten Faserstoffen und chemischen Gebilden, die dem Menschen unter Umständen sehr verderblich werden können. Wie kann das glutvolle Leben des Menschen erhalten werden, wenn man seinem Körper als Nahrung zu seiner Erhaltung nur Fleischfetzen von gemordeten Tierkadavern, die in seinen Organen wie aufreizendes Gift wirken, und torgekochte oder gebackene pflanzliche Erzeugnisse anbietet? Was würde man wohl von einem Bauern denken, der versuchen wollte, sein Vieh nur mit gekochtem Gras oder gekochten Rüben usw. zu füttern?! Man würde ihn doch glatt für verrückt erklären. Der Erfolg seines Tuns wäre doch offensichtlich nur, daß sein gesamter Viehbestand in kürzester Zeit zusammenbrechen und verenden würde. Der im Feuerzauber befangene und in diesem Wahn groß gewordene Mensch aber glaubt, das glutvolle Leben seines Körpers durch totgekochte oder im Backprozeß verwandelte Nahrung erhalten zu können. Er ist unglücklich, wenn er keine warme Mahlzeit mehr kriegt und weiß in seiner Unkenntnis nicht, daß er sich damit selbst vernichtet und seine Leistungsfähigkeit zerstört. Von der Vernichtung der Gesundheit seiner Nerven und seines Gehirns erübrigt es sich zu reden; denn wäre die Menschheit durch ihre verrückte Ernährung nicht wahnsinnig geworden, der totale Krieg wäre nicht möglich gewesen weder jetzt noch zu den Zeiten, da Roms Schlachtruf die totale Zerstörung Karthagos war oder Athen und Sparta gemeinsam zur Zerstörung Thebens schritten oder Babylon sich das Ziel der völligen Vernichtung des verhaßten Konkurrenten Ninive setzte.

Der Zusammenbruch der Volkskraft in Indien und die immer wiederkehrenden Hungersnöte finden damit ihre Erklärung in der unnützen Viehhaltung und der Ernährung von totgekochter pflanzlicher Nahrung.

Wenn wir die Menschen und Völker weiter in ihren Ernährungsgewohnheiten beobachten, so erkennen wir bald, daß der Feuerzauber in der Zubereitung ihrer Nahrung sowohl als auch im Aufbau ihrer Kulturerrungenschaften die ausschlaggebende Rolle spielt. Ob in den Landschaften der einst dicht besiedelten Zweistromgebiete von Euphrat und Tigris oder in Arabien, in Ägypten oder in Griechenland, in Rom oder in Frankreich, in Deutschland, England oder Amerika, wo Menschen wohnen und sich ernähren, ob in Rußland oder den armseligen Dörfern der Oasen in der Sahara, immer wird die Nahrung im Glauben an den Feuerzauber gekocht, gebacken oder gebraten, gesalzen oder vergoren und vielfach noch zu Schnaps gebrannt. Niemand aber in all den Jahrhunderten oder Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte scheint sich bisher überlegt zu haben, was das für die Gesundheit und die Erhaltung der Lebens- und Schaffenskraft bedeutet. Auch die besten und tüchtigsten Fachwissenschaftler unseres Jahrhunderts sind sich darüber nicht klar geworden. Sie konnten es ganz einfach nicht. Wenn man selbst in seiner eigenen Ernährung von Mutterleib an nur beobachtet, daß die Mutter und alle Verwandten und Bekannten sich in der gleichen Weise des Feuers bedienen und man selbst durch Gewöhnung Geschmack an derartigen Speisen gewonnen hat, wie kann man sich da die Fähigkeit erhalten oder zurückgewinnen, die einem den Wahnsinn einer derartigen Ernährung erkennen ließe? Ein solcher Wissenschaftler kann einfach nicht mehr unbefangen und vorurteilslos erforschen und erkennen, welchen Schaden die Ernährung mit Kochtopf und Bratpfanne dem Menschen schlägt. Gewiß, ihre allen natürlichen Gesetzen der Lebenserhaltung hohnsprechenden Ernährungsgewohnheiten töten die Menschen nicht mehr in Massen seuchenartig wie einst in Deutschland bei der Einführung des Pökelfleisches. Damals entvölkerte die Pest, der schwarze Tod, in kürzester Frist ganze Landstriche. Es erweisen sich halt immer einige Konstitutionen als so fest, daß sie vieles vertragen, was andere schwächere glatt umwirft. Diesen Überlebenden wurde die Ernährung unter Anwendung des Feuerzaubers zur Gewohnheit, die sie ihren Nachkommen vererbten.

Wird nun durch Gewohnheit irgend eine Schadenwirkung aufgehoben? Man glaubt es zwar und man hat mir diese Ansicht oft genug schon vorgehalten, aber bei näherem Zusehen erweist sie sich als Truggebilde eines Menschen, der von einer Wahnidee befangen ist und deshalb nicht sehen will und kann, was in ihm selbst und seinen Mitmenschen vor sich geht. Hier sind die Tatsachen, die ich in jahrzehntelanger sorgfältiger Beobachtung und gewissenhafter Forschung feststellte:
Das gebackene Brot, einerlei ob Vollkornbrot oder Weißbrot, ob Kuchen oder Keks zusammen mit den gekochten oder gebackenen Getreidezubereitungen aller Art ist die unmittelbare Ursache der gefürchteten Zuckerkrankheit in allen ihren Erscheinungsformen. Es ist die Urheberin so mancher schwerer Verdauungsstörungen, ich erwähne nur: Magenentzündungen aller Art, besonders häufig am Pförtner, dem Ausgang zum Zwölffingerdarm, oft in unheilbare krebsige Geschwüre ausartend, Blähsucht mit all ihren Folgen wie Bruchleiden aller Art, oft mit tödlichem Ausgang, Verstopfung im Dickdarm. übergehend in Mastdarmgeschwüre und krebsartige Wucherungen mit oft tödlichem Ausgang, Entartung der Leber- und Gallentätigkeit, Gallenkorken usw. Dazu zählen noch viele sogenannte Mangelkrankheiten,. die zu Entartungserscheinungen anderer Art führen wie Anämie oder Blutarmut und Bleichsucht. Auch die meisten asthmatischen Beschwerden gehören hierher.

Gekochtes Gemüse und gekochtes oder gebackenes Obst jeder Art ist im Körper so gut wie wertlos. Es kann weder den Aufbau der Knochen und Muskeln noch den Aufbau der Nerven und des Gehirns richtig und ordnungsgemäß durchführen und das ganze Leben hindurch aufrecht erhalten. Es stellen sich bei Ernährung von nur gekochtem Gemüse und gekochtem Obst die Mangelkrankheiten in allen ihren geheimnisvollen Spielarten ein. Diese waren den Ärzten der vergangenen Jahrhunderte einfach unerklärlich. Erst heute werden sie in ihren Ursachen richtig erkannt als durch das Fehlen der Vitamine des Pflanzenwuchses entstanden, die durch das Kochen zerstört oder unwirksam wurden. Außer den Mangelkrankheiten erklären sich aus der Ernährung von nur gekochtem Gemüse solche Krankheiten, die hervorgerufen werden durch das Fehlen oder Unwirksamwerden der organisch gewachsenen, lebenskräftigen Mineralstoffe im Pflanzenwuchs, wie organisch gebundener Kalk, Natrium, Kalium oder Magnesium. Im gekochten Gemüse findet sich kaum organisch gebundenes Eisen. Es begünstigt daher Entartungserscheinungen der Blutbildung und der daraus folgenden Krankheiten. Es begünstigt zusammen mit dem Fehlen lebenskräftiger Vitamine die mit dem Alter immer weiter fortschreitende Entartung der Knochenbildung, die mit Zahnschäden anfängt und bei immer weiterem Zerfall im leichten Brüchigwerden der Knochen selbst endet.

Die Ernährung von nur gekochten oder gebackenen pflanzlichen Nahrungsmitteln ist die Ursache aller Odems- oder Wassersuchtserscheinungen, der Fettsucht und aller Blutbahnentartungen wie Krampfadergeschwüren mit nachfolgender fast immer tödlich verlaufender Embolie. Sie begünstigt Schwachsinn und Nervenentzündungen aller Art, sie verhindert die richtige Entwicklung der geheimnisvollen Hormone, deren Fehlen oder unrichtige Bildung dann wieder einen ganzen Rattenschwanz von sehr schweren, oft unheilbaren Schäden nach sich zieht. Sie zeitigt so viele Schäden und Mißbildungen im menschlichen Körper und an seinem Geiste, daß sich die zur Hauptsache vegetarisch ernährende indische Bevölkerung vor Krankheiten aller Art nicht retten kann und niemals eine vollkräftige körperliche und geistige Widerstandskraft weder in sich selbst noch gegen feindliche Eindringlinge und Eroberer entfalten konnte.

Noch fürchterlicher wie die eben geschilderten und erwähnten Krankheiten und Gebrechen aber sind die Schäden, die dem Genuß von im Feuerzauber mundgerecht gemachten Fleischfetzen aus erlegten oder geschlachteten Tieren und den vom Tier stammenden Erzeugnissen folgen.
Das Fleisch der Tiere glaubt der Mensch in seiner Ernährung nicht entbehren zu können. Ja, die Wissenschaft der Männer, die selbst dem Fleischgenuß huldigen und deshalb dem gleichen Glauben verfallen sind, hat scheinbar nachgewiesen, daß nur die Eiweißstoffe vollkommen und für den Menschen wichtig sind, die vom Tier stammen oder aus tierischen Erzeugnissen gewonnen wurden. Dem Glauben an den kraftgebenden und stärkenden Gehalt des Tierfleisches sind nicht nur die Europäer und ihre Nachkommen in den anderen Erdteilen verfallen, sondern wie ich schon zeigte und andeutete, alle Menschengeschlechter auf dem Erdenrunde und alle Predigt und Belehrung der immer wieder auftauchenden Rufer in der Wüste haben vergeblich dagegen angekämpft. Die Menschen sind wie besessen von einem bösen Wahn, von einem Irrsinn, der ihren Untergang bedeuten kann und wird, wenn nicht durch das entsetzliche Geschehen der letzten Jahrzehnte das Gemüt und die Herzen so aufgewühlt wären, daß dem Gedanken des Suchens und Einschlagens neuer Wege in der Ernährung nicht Hoffnung auf Durchführung gegeben wäre.

Die eiweißhaltige Fleischfaser, aus quellfähigen Proteinen bestehend, wird im Tierkörper normalerweise durch Umwandlung der Zuckerstoffe in der pflanzlichen Nahrung unter Beifügung des Stickstoffs der Luft gebildet. Wie diese Bildung vor sich geht, wissen wir nicht, und kein Wissenschaftler hat bisher diese Verwandlung erforschen und erklären können. Es ist uns Geheimnis geblieben bis auf den heutigen Tag. Was wir darüber wissen, ist wenig genug, nämlich folgendes: Die im Magen gelösten Trümmer der auch in der Pflanze vorhandenen quellfähigen Proteine, Eiweißstoffe genannt, können wir wie die Trümmer der Fleischfaser als Eiweißreste, Aminosäuren genannt, verfolgen. Wir finden dann im Dünndarm auf der Nahrungsseite der Darmwand die Aminosäuren und auf der andern der blutbildenden Seite die fertigen, dem Organismus des betreffenden Tieres genau entsprechenden, richtig aufgebauten Eiweißstoffe oder die quellfähigen Proteine bildenden Aufbaustoffe fertig vor.

Die Verwandlung selbst ist nicht zu verfolgen. Wir wissen nichts darüber. Trotzdem wagen die Wissenschaftler die Behauptung aufzustellen, daß es dem Menschen nicht möglich ist, wie das pflanzenfressende Tier aus der Pflanze seinen Eiweißbedarf zu decken. Wir wissen nichts über die Entstehung der Eiweißstoffe im menschlichen oder tierischen Körper und doch wagt man zu behaupten, der Mensch könnte ohne tierische Erzeugnisse nicht bestehen. Nun, ich selbst lebte vor dem Kriege seit über drei Jahrzehnten nur von pflanzlicher Rohnahrung wie Obst, Wurzelgemüse, Kräutern und Blattgemüse aller Art, Nüssen, getrockneten Früchten usw. Jetzt während des Krieges habe ich das Fehlende durch geweichtes oder gemahlenes Getreide ersetzt. Ich kann wohl sagen, daß ich mich auch in den besten Jünglingsjahren nie so wohl und leistungsfähig gefühlt habe wie jetzt mit über 60 Jahren bei dieser Ernährung.

Aber verfolgen wir nun einmal, was dem Fleischesser zustößt. Die Fleischfasermasse soll im Magen durch die Salzsäure-Pepsinmischung gelöst und in die Eiweißtrümmer, Aminosäuren genannt, aufgespalten werden. Wenn die Magensäfte des Menschen so kräftig wären wie die eines Raubtieres, dann würde das wahrscheinlich eintreten. Aber sie sind es eben nicht. Von Natur aus genügt ihre Kraft wohl, die geringen Eiweißgebilde im wachsenden Pflanzenwuchs und in den Keimzellen der Samen aufzulösen; denn diese befinden sich noch im Zustande der Entwicklung und des beginnenden Wachstums. Sie sind deshalb leicht quellfähig und sehr leicht veränderlich. Die Fleischfaser des Tieres aber ist eine fertig vorliegende, chemisch schwer zu lösende Gewebeeinheit, die schon im lebenden Tiere im Begriff der Auflösung war. Im Kadaver aber erleidet sie mit dem Tode sofort so schwerwiegende Veränderungen, daß sie mehr oder weniger giftig wirken muß. Die Zersetzung des Kadavers in Leichengifte und deren Abkömmlinge beginnt sofort nach dem Tode. Sie kann durch nichts, auch nicht durch Unterkühlung auf Eis oder andere sogenannte Frischhaltungsverfahren, aufgehalten werden. Diese schon in mehr oder weniger starker Zersetzung begriffenen Leichenteile werden im Feuer so verändert, daß sie noch schwerer lösbar werden. Als solche kommen sie nun in die Organe des Menschen. Diese sind von Natur aus nur für die Verdauung von Pflanzenrohnahrung eingerichtet und sollen nun diese ihr aufgebürdete Arbeit irgendwie bewältigen. Wie viele Kinder starben schon in früher Kindheit, die von ihren unvernünftigen Müttern mit den "kräftigenden" Fleischspeisen genährt wurden, und niemand kam auf den Gedanken, die Nahrung dafür verantwortlich zu machen. Heute wissen die Kinderärzte es besser. Wenn der Bauer krankes Vieh im Stall hat, forscht er nach, was wohl an der Fütterung unrichtig sein könnte. Wenn aber ein Kind krank wird, dann waren böse Geister, das Wetter, Mikroben und BaziIlen und was noch daran schuld, aller beileibe nicht die "gute" kräftige Kost.

Die Auflösung der im Feuerzauber verhärteten Fleischfaser im Magen kann nie so vollkommen sein, daß sie für den Körper nicht gefährlich werden könnte. Manche unbeachtete Eiweißgebilde treten unbemerkt durch die Darmwand in den allgemeinen Säftestrom des Körpers über. Sie werden dann vom Saftstrom in alle Teile des Körpers getragen und, wo immer sie erscheinen, setzt sich ihre Auflösung fort. In den Organen bilden sie dann Entzündungsherde aller Art. Sei es Mittelohrvereiterung oder Gehirntumor, Rippen- oder Bauchfellentzündung, Nierenentzündung oder Knochenhautentzündung, oder bei äußeren Verletzungen einsetzende Blutvergiftung. Die wirkliche Ursache ist immer die gleiche, nämlich: In die Saftbahnen des Körpers eingedrungene gelöste aber nicht verwandelte Fleischfaserreste oder solche aus anderen vom Tier stammenden Produkten wie Milch, Käse, Eier und dergleichen.

Die Fleischfaser soll sich im Magen in Aminosäuren lösen und aufspalten. Sie tut es auch normalerweise, aber was geschieht mit den Aminosäuren im Darm und nach Übertritt diese in die Säftebahnen? Wir wissen es nicht, da es nicht möglich ist, ihren Weg zu verfolgen. Was wir wissen, ist nur, daß diese Säurereste schnellstens abgebunden und neutralisiert werden müssen, wenn sie nicht wie fressende Säuren im Körper wüten sollen. Zur Neutralisierung aber dienen die für den Aufbau der Organe, der Knochen und Muskeln und des ganzen Körpers so sehr wichtigen Mineralstoffe der Erde wie Natrium, Kalium, Kalk und andere. Diese werden dabei dem Körper entzogen und fehlen im Aufbau. Die Säurereste Teste verwandeln sich dabei in Sauerstoff und lösbare, kolloide Harnsäure. Diese bewegt sich mit dem Säftestrom durch den ganzen Körper, da die Nieren nur eine ganz kleine, sehr bestimmte Menge davon ausscheiden können. Die Lebenskraft setzt die überschüssige Harnsäure dann in besonderen Lagern überall im Körper zwischen den Geweben ab und lagert sie dort ein. Solange die Körperwärme sich gleichmäßig erhalten kann, merkt man kaum etwas davon, aber wehe, kühlt der Mensch im Sommer oder aus anderen Gründen nach Schweißausbruch oder durch körperliche Unterkühlung zu stark ab. Dann kristallisiert diese im Körper herumschwimmende oder gestaute Harnsäure, und von da an wird der Mensch von immer wiederkehrenden, peinigenden Rheumaanfällen geplagt werden. Diese bringen oft noch seine Gelenke aus ihrer Lage und lassen seine Muskeln verkrampfen, so daß er dadurch verkrüppelt und arbeitsunfähig wird. Ist je ein Mensch von sich aus auf den Gedanken gekommen, seine Ernährung für diese Art von Schmerzen verantwortlich zu machen? Immer war es das Wetter, die Zugluft, die Erkältung usw. Ganze Bücher könnten gefüllt werden mit der Aufzählung und Erklärung der Schäden, welche die im Feuerzauber mundgerecht gemachte Fleisch- oder Fischnahrung, im Körper anrichtet, aber ich will nur noch eins erwähnen: Die im verwesenden Fleisch und dem Fleischsafte immer vorhandenen Spuren von Leichengiften, zusammen mit den eben erwähnten Säureresten aus der Fleischverdauung können in den Organen nicht oder kaum angegriffen werden, aber das Umgekehrte ist der Fall. Sie greifen in die Lebensvorgänge in verhängnisvoller Weise ein. Sie sind und wirken wie Gifte und die Lebenskraft der Organe sucht sich ihrer zu erwehren. Das bedeutet Kampf in den Säftebahnen. Das führt zur Erregung und Aufpeitschung der Nerven- und Gehirnmasse. Da haben wir die Ursache der aufbegehrenden Ichsucht, des Größenwahnsinns der kleinen Gernegroßen, der Herrschsucht der Erfolgreichen, bis zum Cäsarenwahn der Eroberer und Kriegshelden, die ganze Völker und Länder zuletzt die ganze Menschheit ins Unglück stürzten.

Krankheit und Elend durch die Generationen der Menschheit: Das ist der Lebenserfolg der vom Feuerzauber geblendeten Menschen, die nicht aufhören wollen, ihre Nahrung durch das Feuer scheinbar mundgerecht zu machen. Sie stürzen sich aber dadurch nur selbst ins Unglück und alle Krankheiten und Gebrechen, alle Verbrechen und alles Elend bringen sie damit über sich. Dazu kommen dann die sich jagenden wirtschaftlichen Krisen und politischen Wirren. Diese finden ganz einfach ihre Erklärung darin, daß die Erde nicht genug Nahrung hervorbringen kann, wenn der Mensch versucht, auf dem Umwege über das Tier sein Leben zu fristen. Bedenkt man nicht, daß bis zu 85 ja 90 Prozent der gesamten als Viehfutter erzeugten Nahrungsmittel beim Aufbau des Viehkörpers verloren gehen, ehe sie für den Menschen nutzbar gemacht werden können und dann doch nur Krankheit und Elend zeugen? Dazu besteht das Fleisch und die Milch zu 85 bis 90 Prozent aus Wasser und nur der Rest ist Masse. Auch da wieder Verlust menschlicher Arbeitkraft und menschlicher Bemühung. Wird es klar, warum alle Völker und Nationen seit altersher dem Untergang geweiht sind, die dem Feuerzauber bei der Zubereitung ihrer Nahrung ergeben sind und glauben, ohne Fleisch und vom Tier stammende Speisen nicht auskommen zu können? Wann wird die Menschheit die natürlichen Gesetze der Lebenserhaltung begreifen und sie strengstens einzuhalten lernen und dadurch den Fluch der Götter über Prometheus in Segen wandeln?

 
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